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Duisburg Innenhafen - 28.06.2010

 

 

Skulpturen eines geheimnisvollen Künstlers

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Als 19-jähriger Student forderte er auf der "documenta" in Kassel seinen Meister Joseph Beuys zum "Boxkampf für direkte Demokratie durch Volksabstimmung" heraus und unterlag. Fünf Jahre später lud man ihn erneut zur Teilnahme an dem Kasseler Großereignis ein, doch diesmal winkte er ab. Zur nächsten "documenta" sagte er wieder zu. Unmittelbar danach jedoch zog er sich für fünf Jahre aus dem Kunstbetrieb zurück. Zeitweilig verbot er der Presse sogar, sein Konterfei abzubilden.

Der aus Düsseldorf stammende, dort, in New York und Japan lebende Abraham David Christian (Jahrgang 1952) ist das Gegenteil eines Stars und dennoch ein hoch bedeutender, nicht leicht durchschaubarer Künstler. Im Duisburger Museum Küppersmühle kann man sich in diesem Sommer anhand von 50 Werken davon überzeugen.

In einer Zeit, in der Kunst ihre Betrachter oft anschreit, entfaltet Christian einen Sog der Stille. Seine teils schwarzen, teils weißen ungegenständlichen Skulpturen erzählen davon, was die Welt zusammenhält, welche Erscheinungen die Kulturen der Erde übergreifen.

Das sind dem Künstler zufolge Lebensformen, Philosophien und Religionen. Auf ausgedehnten Reisen durch Asien, Afrika, Europa und Amerika hat Christian den Blick für das Verbindende geschärft und daraus Ideale entwickelt, die in seinen Skulpturen Gestalt gewinnen: Ausgleich, Balance, Harmonie. Der allgemeine menschliche Formenschatz, wie Christian ihn wahrgenommen hat, besteht aus Spiralen, Endlosschleifen, aufeinandergetürmten Kugeln und Schalen. Der Künstler gießt solche Formen in Bronze oder gestaltet sie in Gips, vorausgesetzt, dass sie auf Zeichenpapier ihre erste Bewährungsprobe bestanden haben. Den Mittelpunkt der Duisburger Schau bilden sieben bronzene "Türme der Weisheit", ein Ensemble aus übermannshohen Skulpturen von großem ästhetischen Reiz. An anderer Stelle begegnet dem Besucher "Der heilige Mensch", ebenfalls eine Plastik. Das alles wirkt meditativ und fernöstlich, ohne dass man es kurzerhand auf japanische Kunst zurückführen könnte. Ein Triumph nicht nur der Formfindungs-Kunst, sondern auch des Handwerks ist die vier Tonnen schwere "Interconnected Sculpture", eine ausgreifende Spirale, die ihr Gewicht auf eine denkbar geringe Bodenfläche stützt. Wer regelmäßig Kunstmessen besucht, wird diese Endlosschleife schon oft gesehen haben. Hier strebt sie nun dank der Mithilfe von Bau- und Flugzeugingenieuren ins Gigantische – und wirkt dennoch so schwerelos wie ihre reizenden kleinen Schwestern.

Info Ausstellung "Abraham David Christian. Der Weg" in der Küppersmühle Duisburg, Philosophenweg 55 (am Innenhafen), bis 29. August; geöffnet Mi.
14–18, Do. 11–18, Sa., So. und feiertags 11–18 Uhr


© Rheinische Post, 28.06.2010, Bertram Müller



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